Lokalblog “Weilburger-Nachrichten” testet Paywall

von Steffen Greschner am 15. Februar 2012 · 4 Kommentare

Dass die Hemmschwelle gegen Paywalls langsam etwas fällt, zeigen nicht nur die positiven Erfahrungen der NYT und der Schritt der NZZ. Auch das Wallstreet-Journal hat sich Deutschland für den Test eines rein digitalen Freemium-Modells ausgesucht.

Mit den Weilburger-Nachrichten wagt sich jetzt auch der erste Lokalblog an den Test eines Freemium-Angebotes. Die Weilburger-Nachrichten sind inzwischen seit etwas mehr als zwei Jahren online und kommen nach eigenen Angaben auf 2.500 tägliche Leser in einem Einzugsgebiet von etwa 13.000 Menschen. Man ist sich aber bewusst, dass der Schritt nicht ohne Risiko ist:

Wir wissen, dass im Internet eine Kultur der Freiheit herrscht. An Bezahlschranken sind schon viele Internet-Projekte gescheitert. Die Weilburger Nachrichten sind seit dem 17. November 2009 kostenfrei. Ab dem 1. März 2012 wird es allerdings nur noch unseren Abonnenten möglich sein, alle Nachrichten und Meldungen zu lesen. Wobei auch dann ein Großteil unserer Inhalte weiterhin kostenfrei sein werden.
(..)
Das reguläre WN-Abo kostet schlappe 3 Euro im Monat

Die drei Euro Abo für 30 Tage tun nicht weh, gemessen am Print-Abo der Platzhirschen ist es nicht mehr als ein kleiner Anerkennungsbeitrag. Uns hilft Ihre Unterstützung, dieses für Weilburg einmalige Projekt aufrecht zu erhalten und weiter auszubauen. Ganz gleich, ob Sie gegenüber den Weilburger Nachrichten positiv oder kritisch eingestellt sind: Unterstützen Sie den etwas anderen Journalismus in Weilburg mit Ihrem Abo.

Rund 50 Leser haben sich in den ersten drei Tagen für das Abo eingetragen und zahlen teilweise auch deutlich höhere Beträge, als die geforderten drei Euro. Die Zahlschranke startet offiziell am 1. März.

Karl-Josef Schäfer, der Betreiber der Seite sieht den Betrag auch eher als Mindestbetrag, der nach oben offen ist. Fraglich ist trotzdem, warum man die Hürde einer Bezahlschranke einführt und am Ende mit “schlappen 3 Euro im Monat” ankündigt und abrechnet.

Als Hauptgrund für das Bezahlmodell nennt Schäfer interessanterweise die schwierige Akquise von Anzeigenkunden: “wenn ich Verkäufer hätte werden wollen, wäre ich nicht Journalist geworden.” Das ist leider ein Argument, das man in diesem Zusammenhang öfter hört.

Leserseitig entwickeln sich viele Lokalblogs inzwischen durchaus positiv – Nachfrage scheint da zu sein. An der Vermarktung der eigenen Angebote mangelt es aber ganz offensichtlich noch bei einigen. Ob da die Paywall raushilft? Einen Versuch ist es wert…


Weitere Artikel auf netzleser:

  1. NZZ setzt auf Zukunftskarte: Know-how (und Paywall) Die NZZ hat eine Entscheidung getroffen, die weit über die Paywall hinaus geht: Die Schweizer entwickeln konsequent das eigene Produkt. Durch die längst überfällige Zusammenlegung von Online- und Offline-Redaktionen reagiert die NZZ mit der wahrscheinlich...
  2. Prenzlberg-Nachrichten trägt sich erstmals selbst Die Prenzlauer Berg Nachrichten ist eines der journalistischen StartUps, das seine Arbeit sehr ordentlich macht. Gründer Philipp Schwörbel feiert das einjährige Bestehen des Prnzlberger Lokalblogs mit einer gedruckten Sonderausgabe in 60.000er Auflage und einer schönen...
  3. Erster Lokalblog knackt 10.000 Euro im Monat Immer wieder werden Lokalblogs als reine Liebhaberprojekte kleingeredet. Dass das längst nicht auf alle Lokalblogs zutrifft zeigt ein Blick in das Tegernseer Tal, wo der momentan finanziell erfolgreichste mir bekannte Blog herkommt. In der Pressemeldung...
  4. ZEIT Verlag testet eRaeder zur Content-Zweitverwertung Im Gegensatz zum iPad eignen sich eReader wohl deutlich besser zur Content-Zweitverwertung. Der ZEIT Verlag testet seit dem Jahreswechsel einige erste Versuche, Artikelsammlungen für Amazons Kindle neu aufzubereiten und günstig anzubieten: ZEIT ONLINE bietet digitale Artikelsammlungen...
  5. Passauer (Verlags)Lokalblog lokalnews.de macht dicht: Geschäftsführer Daniel Wildfeuer im Interview Lokalnews.de war das erste deutsche Lokalblog, das von einem Verlag finanziert wurde. Berichtet wurde über Passau. Das Geld kam vom Wochenblatt Verlag aus Landshut. “War” deshalb, weil der Gründer Daniel Wildfeuer dem Netzleser letzten Freitag...

{ 4 Kommentare… lies sie unten oder schreib selbst einen }

Peppermint Februar 26, 2012 um 01:57

Tja – da kann man dem Betreiber nur Glück wünschen, denn es handelt sich eben nicht um NYT oder WSJ. Bei den Besuchern liegt auch ein grober Denkfehler. 2.500 Leser (Besucher) täglich – aber diese kommen mit Sicherheit nicht aus dem “Einzugsgebiet” Weilburg sondern aus dem “Einzugsgebiet Internet”, die zu 80 über die Suchmaschinen zugeführt werden. Selbst wenn sich die Abonnentenzahl auf 100 erhöhen würde, stellt sich die Frage was nun besser ist. 2.500 Besucher täglich mit steigender Tendenz oder 100 Abonnenten. Der freie Inhalt wie PR Meldungen und der Polizeibericht sind absolut uninteressant. Stammleser haben die Readktionsmeldungen gelesen, weil sie gut verfasst und hervorragend recherchiert waren, aber ab dem Punkt der Bezahlpflicht werden dort mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit die Besuchszahlen drastisch einbrechen.

Antworten

Ka-Jo März 1, 2012 um 07:10

@Pepe – Schöne Grüße, wo immer Du auch sein magst!

Relevanz statt Reichweite ist die Diskussion, die nicht nur hier auf dem Netzleser geführt wird. Die WN haben sich für Relevanz entschieden. Meistens kritisch – doch immer für Weilburg. Was helfen uns 2.500 Besucher täglich (von denen übrigens 98 Prozent aus dem Weilburger Land stammen), wenn wir diesen nicht vermitteln können, wo die Reise hingeht. Ich persönlich (und da kann ich auch für Marlies sprechen) schreibe auch für eine Leserin oder einen Leser.

Herzlichst, Ka-Jo

Antworten

Dirk März 5, 2012 um 14:53

“Die Weilburger-Nachrichten sind inzwischen seit etwas mehr als zwei Jahren online und kommen nach eigenen Angaben auf 2.500 tägliche Leser in einem Einzugsgebiet von etwa 13.000 Menschen.”

in anbetracht dieser aussage, halte ich die betrachtung “2.500 Besucher täglich (von denen übrigens 98 Prozent aus dem Weilburger Land stammen)” für übertrieben.

Diese “Freemium” Methode halte ich für einen weiteren Hilferuf, nachdem das Förderprogramm (http://weilburger-nachrichten.de/impressum/foerderverein/) und die akquise von Anzeigenkunden offensichtlich nicht geklappt hat. (Obwohl ich mich dunkel daran erinnern kann, dass Herr Schäfer mal Groß- und Außenhandelskaufmann und nicht Journalist erlernt hat…)

Meiner Ansicht nach ist das Redaktionelle Angebot bei WN recht dünn und bei einem ausführlichen “Tratsch” beim Metzger wird man vermutlich ähnliche Informationen bekommen. Ob die WN daher Ihre Relevanz bei den Bürgern und Lesern behält, bleibt daher abzuwarten.

Antworten

Thomas Januar 6, 2016 um 12:30

Zwischenzeitlich muss man ja überall mit einer Paywall rechnen. Für die Konsumenten natürlich alles andere als schön, aber nachvollziehbar ist ein solcher Schritt dennoch.

Antworten

Schreib einen Kommentar

eMail-Benachrichtigung bei weiteren Kommentaren.
  Für die reinen Beobachter: Benachrichtigen ohne eigenen Kommentar.

Previous post:

Next post: