WSJ.de: Deutschland als Testmarkt für digitales Angebot

von Steffen Greschner am 10. Januar 2012 · 2 Kommentare

Der Livegang des Wallstreetjournals könnte der Anfang einer Umstellung von journalistischen Geschäftsmodellen werden. Zwei Sachen sind durch WSJ.de auf einen Schlag passiert:

  1. Ein ausländischer Verlag entscheidet sich für den deutschen Markt, um ein rein digital basiertes Geschäftsmodell zu testen.
  2. WSJ.de beginnt von Start weg mit einem Freemium-Modell. Das Abo ist mit unter 12 Euro etwas teurer als das Abo der FTD.

Während das WSJ in anderen Märkten nach wie vor eine Printausgabe anbietet, hat man sich für den deutschen Markt dazu entschieden ein rein digitales Angebot aufzubauen:

The Wall Street Journal Deutschland ist die erste rein digitale Wirtschaftszeitung im deutschsprachigen Raum – nur im Netz, nie am Kiosk. Mit weltweit über 2.000 Korrespondenten und einem engagierten Team in Deutschland werden wir Ihnen jeden Tag aufs Neue die aktuellsten und exklusivsten Nachrichten und Hintergrundberichte aus aller Welt liefern. Mit The Wall Street Journal als größter internationaler Wirtschaftszeitung im Rücken wird uns dies gelingen.

Interessant ist das vor allem vor dem Hintergrund, dass viele deutsche Verleger Deutschland nach wie vor als den besten (Print)Pressemarkt überhaupt sehen. Platz für ausländische Verlage sei da nur bedingt.

Bei der deutschen Ausgaben des Wall Street Journal hat man sich für den Schulterschluss entschieden und tauscht Inhalte mit Axel Springer. Einige Artikel kommen von WELT ONLINE, andere wandern zum Springer Finanzportal Finanzen.net und andersrum, wie der Geschäftsführer Jens Ohr gegenüber Meedia berichtet:

„Durch die Content-Partnerschaft mit dem Wallstreet Journal steigern wir die redaktionelle Qualität und Attraktivität unseres Angebots zusätzlich. Im Gegenzug profitiert wsj.de von unserem technologischen Know-how und unseren hohen Nutzerzahlen als deutscher Marktführer“, sagt Jens Ohr, Geschäftsführer der Finanzen.net GmbH.

Spannend wird, in wie weit die Rechnung von WSJ aufgeht. Zwar sind durch die rein digitale Ausrichtung die Grenzkosten deutlich geringer aber der deutsche Manager gilt weiterhin als Printleser, wie Marcel Weiß auf neunetz.com treffend feststellt:

Nur digital könnte auch eine Umstellung für medienkonservative deutsche Manager bedeuten, die die deutsche Ausgabe des prestigeträchtigen und hoch angesehenen Wall Street Journals lesen wollen: Sie müssen hierfür dann doch mal weg vom Papier und in’s Internet gehen für ihren Medienkonsum.

Man darf gespannt sein, wie sich die Leser- und vor allem die Abo-Zahlen bei WSJ.de in den nächsten Monaten entwickeln werden. Der Ansatz ist ziemlich gut und der deutsche Markt scheint im Wirtschaftsjournalismus dafür bereit.

Traurig ist nur, dass erst ein US-Verlag in den deutschen Markt eintreten muss, um eine reine Onlinestrategie zu entwickeln. Mit der HuffingtonPost stehen die nächsten bereits in den Startlöchern auch wenn das Modell ein komplett anderes ist.


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onlinedruck Mai 30, 2012 um 18:09

Pretty! This has been a really wonderful post. Thank you for supplying this information.

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Marian Dezember 8, 2013 um 13:17

Eine sehr interessante Entwicklung, die man auch in Zukunft weiter beobachten sollte.

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