Wo sind die Innovationstreiber in der App-Entwicklung?

von Steffen Greschner am 7. Januar 2012 · Kein Kommentar

iPad-Ausgaben entwickeln sich mehr und mehr zur echten Paid-Content-Chance. Allerdings gibt es bisher viel zu wenige echte Innovationen, als dass man von einem Durchbruch sprechen könnte. Der Journalist hat sich das Thema genauer angeschaut und zieht in der Mitte des Textes folgenden Schluss:

Die eigentlichen Innovationstreiber sind nicht die Verlage. Es sind Unternehmen, die sich dem Tablet unverkrampft nähern. Der Krampf der Verlage besteht darin, ihre Produkte und ihr Geschäftsmodell aufs Tablet zu kopieren. Das Gerät wird zum Vertriebskanal degradiert. Eine Zeitschrift – gern angereichert mit ein paar multimedialen Elementen – soll möglichst nah am Original sein und sich ebenso verkaufen lassen. Selbst Springer, einer der Innovativsten unter den Verkrampften, hat gerade mit viel Aufwand seine iKiosk-App umgebaut. In dem Kiosk zweitverwertet Springer lediglich eigene PDF-Dateien und die von Zeitungen und Zeitschriften aus anderen Häusern wie SegelnDeutsch perfekt und Wirtschaftswoche. So lässt sich aus einem Abfallprodukt auf dem Weg in die Druckmaschine noch mal Geld verdienen. Ein Verlegertraum wird wahr.

Das verharren im Print-Denken ist ein generelles Problem. Nur wenige versuchen sich an wirklich neuen Ansätzen und Arbeitsweisen. Mutiges Beispiel ist das iPad-Sonntagsmagazin RP Plus der Rheinischen Post:

RP Plus ist ein eigenständiges Angebot mit eigenen Texten, Features, Ideen, einer eigenen Sprache. Nicht losgelöst vom Kerngeschäft, räumt Fiedler ein, aber “jünger, frecher, auch mal satirisch”. Angebunden ans Verlagsprogramm, im Austausch mit allen Ressorts, als Ergänzung digitaler und analoger Angebote, “doch mit eigener Kompetenz”. Die multimedial aufgepeppten Berichte, Reportagen, Gespräche mögen das gedruckte Geschehen der Woche aufgreifen; Resteverwertungen, gar Textdoppelungen, gebe es nicht. Alles sei exklusiv, gefertigt im hauseigenen Start-up, von hauptamtlichen App-Redakteuren, meist unter 30, gern in Turnschuhen, eher juvenil als schluffig.

Junge Teams wird es wohl noch mehr brauchen, um mit Innovationen und neuen Ideen das Thema zu entwickeln und die “Zombies zu vertreiben“.


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