NYT: Kooperation mit CUNY-Studenten bei hyperlocal-Blogs

von Steffen Greschner am 21. Januar 2010 · Kein Kommentar

www.poynter.org hat einen lesenswerten Artikel über die hyperlocal Aktivitäten der New York Times geschrieben. Kurz, um was es überhaupt geht: Die NYT hat im März 2009 zwei hyperlokale Blogs gelauncht – Fort Greene und Clinton Hill. Um die Blogs bekannt zu machen und um ersten Content zu erstellen, hatte die NYT jeweils einen Redakteur pro Blog abgestellt; später hat sich dann eine Redakteurin um beide Blogs gekümmert.

Jetzt wurden beide Blogs an die Graduate School of Journalism der CUNY (City University of New York) abgegeben. Insgesamt zehnStudenten übernehmen die redaktionellen Aufgaben unter Aufsicht und Verantwortung der NYT.

Interessant ist der journalistische Ansatz, den die NYT gemeinsam mit der CUNY entwickelt hat: Gemeinsam mit den Studenten werden Bürger zu Journalisten ausgebildet. Sie lernen Schreiben, Recherchieren, Podcasten und Videopodcasten. So wird jeder interessierte Leser zum Journalisten seines eigenen Stadtteils. Mary Ann Giordano, die bisher leitende Redakteurin sagt dazu:

“We have people in the community tipping us off as soon as they see yellow tape on the street. And they’ll stick with us all night, telling us updates, sending us photographs, just reporting out stories.”

Inzwischen arbeiten für jeden der beiden Blogs rund 50 freiwillige Journalisten, die rund 40% des Contents produzieren.

Mittelfristig wird die Aufgabe der Redaktion sich darauf beschränken, die klassische Gatekeeper-Rolle einzunehmen. Der User-Content muss sortiert, redigiert und auf Wahrheitsgehalt überprüft werden. In der offiziellen Pressemitteilung der NYT sagt Giordani weiter:

“We hope to set the standard for this kind of journalism. The idea is to give all professional journalists additional tools so they can more thoroughly report on the people, places and issues on their beats.”

“The possibilities for collaborative journalism are endless and exciting, as we learned with the two Locals this year,” Ms. Giordano added. “There’s a richness to the news and information that comes directly from the people who work and live in a place, and I am looking forward to pursuing a range of innovative alliances and arrangements that deepen and broaden The Times’s coverage of the city and region.”

Die größte Aufgabe wird aber auch hier wieder die Kapitalisierung sein. Was nützt der Content – egal ob von Redakteuren oder Bürgerjournalisten – wenn man ihn nicht zu Geld machen kann. Aber da ist mit der CUNY und Jeff Jarvis vielleicht auch mal ein experimentierfreudiger Partner mit an Bord. Zumindest klingt es so.

The economics of this experiment go beyond the Times payroll. Jarvis, who is behind the New Business Models for News project, said he aims to use The Local not only for editorial experimentation, but to test how a network of local blogs can create new revenue opportunities.

Ich bin gespannt, was sich in Deutschland in den nächsten Jahren zum hyperlocal Thema tun wird. Ich sehe lokalen Content und lokale Werbung als einen der vielversprechendsten Wege zur Kapitalisierung. Groupon Konzepte sind sicherlich nur eine von vielen Möglichkeiten.

Mich würde es freuen, wenn solche Projekte auch an deutschen Unis und Hochschulen stattfinden würden.


Weitere Artikel auf netzleser:

  1. Es gibt keine neuen Erlösmodelle im Journalismus Etwas vermessen das direkt zu Beginn eines Blogs zu schreiben. In einem Blog welches sich mit neuen Geschäftsmodellen im Internet beschäftigt. Und dann auch noch von einem Gastautor. Aber zumindest laut Robert Niles von Online Journalism...
  2. Stellenausschreibung: Gärtner im Internet Ich habe im letzen Artikeln überlegt, warum das Internet eine tolle Sache für Journalisten sein kann. Wie ein Journalist das nutzen kann, soll diese Stellenausschreibung hier zeigen. Alexander Kluge hat mir auf seinem “Garten” dctp.tv...
  3. STRATFOR: Paid-Content funktioniert doch Während die New York Times zum zweiten Mal versucht ihre Online-Inhalte zu Geld zu machen, zeigt ein anderes Unternehmen, wie mit wirklichen Qualitätsinhalten Geld zu verdienen ist: STRATFOR Global Intelligence. CEO Dr. George Friedman hat...
  4. Das Blut der Anderen Ich mag Jeff Jarvis. Ernsthaft. Ich finde Ihn toll. Genau wie sein Blog und eigentlich alles was er so von sich gibt. Dazu muss man sagen: Ich bin kein Journalist. Also kann ich nur als...
  5. Verlage müssen sich mehr auf das mobile Internet einlassen Daran, dass das Internet in Zukunft immer mobiler wird, hat wohl kaum jemand Zweifel: Anstatt am Rechner werden Nachrichten und Infos in den nächsten Jahren mehr und mehr über mobile Geräte konsumiert. Den Anfang hat...

Schreib einen Kommentar

eMail-Benachrichtigung bei weiteren Kommentaren.
  Für die reinen Beobachter: Benachrichtigen ohne eigenen Kommentar.

Previous post:

Next post: