Spiegel iPhone-App zum stolzen Preis

von Steffen Greschner am 25. Februar 2010 · 5 Kommentare

*update*
Patrick hat in den Kommentaren noch auf die momentane Diskussion über Apples Kontrollwahn im App-Store hingewiesen und diesen Zapp Beitrag verlinkt.

Hier noch zwei weitere Artikel zu dem Thema:
Spiegel: Medien auf dem iPhone: Aufstand gegen Apples App-Zensur
Golem: Apple zu App-Säuberung: Entwickler sind nicht so wichtig
*/update*

spiegel appSpiegel hat heute seine iPhone-App vorgestellt. Nach Welt, Bild und Süddeutsche kommt von Spiegel jetzt also der vierte Versuch mit einer App Geld zu verdienen. Und damit sich’s auch lohnt, schlägt der Spiegel ziemlich zu: 3,99 Euro soll eine Wochenausgabe für das iPhone kosten.

Der Preis ist also durchaus happig und sogar 19 Cent teurer als die gedruckte Ausgabe am Kiosk. Da trösten auch der Zugang zum regulären e-Paper und die frühe Veröffentlichung am Samstagabend nicht drüber hinweg. Was sich die Spiegel Gruppe dabei gedacht hat, weiß ich nicht ganz genau. Druck- und Vertriebskosten einsparen und dafür mehr zu verlangen, ist nicht ganz nachvollziehbar und wird auch im Netz sehr kritisch gesehen und diskutiert.

Dafür ist die Anwendung auf den ersten Blick ganz clever gelöst: Das komplette Heft wird in einem ca. 5 MB großem Download komplett aufs iPhone übertragen und ist somit auch offline voll verfügbar. Wie bei einem e-Book wird nicht gescrollt, sondern mit einem Fingerwisch umgeblättert. Es gibt Bildergalerien, einen Artikel-Zufallsgenerator durch Schütteln des iPhones und eine Bibliothek, in der alle bereits gekauften Ausgaben hinterlegt sind.

Alles schön gemacht und scheinbar flüssig in der Bedienung. Ich konnte es selbst leider nicht testen, weil ich ein google-Phone habe – dafür gibt’s noch keine App.

Was ich allerdings ziemlich schwach finde – neben dem Preis natürlich – ist der fehlende Online-Zugang. Da verlangt Spiegel für ein Heft 3,99 Euro und wenn ich tagesaktuelle Nachrichten möchte, muss ich erst wieder über den Browser auf die ganz normale Seite zugreifen. Warum das nicht irgendwie miteinander verbunden wurde, ist mir ein Rätsel.

Kritisch sehe ich bei dem ganzen Hype um Apps vor allem die Preise. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Spiegel bei dieser Preisgestaltung viele Leser davon überzeugen kann.

Stellt sich nur die Frage: Was darf eine Spiegelausgabe als App kosten? Was würdet Ihr als Leser dafür ausgeben?


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Patrick Februar 22, 2010 um 13:20

Da wird mir als potenzieller Kunde also ständig erzählt, die Zukunft des Nachrichtenjournalismus liege aus Kostengründen (ja, ja, das teure Papier …) im Netz. Und dann soll ich für eine elektronische und benutzerunfreundlichere Version, die ich auf einem kleinen Bildschirm lesen muss, mehr Geld zahlen als für die gedruckte Ausgabe am Kiosk? Die App von Spiegel ist ein weiterer Beleg dafür, dass die traditionellen Verlagshäuser noch immer keine Ahnung haben, wie sie im digitalen Zeitalter mit Journalismus Geld verdienen sollen. Der eigene Name als Marke allein wird jedenfalls nicht reichen …

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Steffen (netzleser) Februar 22, 2010 um 13:28

Ich war ehrlich gesagt auch etwas überrascht: Ich dachte Spiegel versteht, wie das Netz und digitale Angebote funktionieren. Immerhin sind sie mit der Seite schon lange dabei und auch sehr erfolgreich. Aber wer weiß, vielleicht täusche ich mich auch und es gibt Millionen Menschen, die bereit sind den Preis zu zahlen. Wenn man Welt und Bild anschaut, wage ich das aber zu bezweifeln. Seit den ersten Jubelzahlen mit 100.000 Downloads, hat man bisher nichts mehr von Springer zu dem Thema gehört..

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Patrick Februar 25, 2010 um 01:45

Ob die Verlagshäuser wissen, was sich durch neue digitale Angebote verändert, betrifft dabei nicht nur den finanziellen Aspekt. Auch unter journalistischen Gesichtspunkten ist es äußert bedenkenswert, was die Abhängigkeit von einem Großunternehmen für Folgen haben kann. NDR Zapp berichtet in einem Beitrag vom 24. Februar 2010, dass Apple laut Nutzungsbedingungen die Möglichkeit für sich beansprucht, sämtliche Inhalte von Apps zu kontrollieren und gegebenenfalls zu löschen. So ist das BILD-Covergirl im App zum Beispiel nicht oben ohne zu sehen – auf Verlangen von Apple. Und das App vom Stern wurde sogar ganz gelöscht, weil Apple mit einigen Inhalten nicht einverstanden war. Heißt: Verlagshäuser unterwerfen sich also wissentlich einer Zensur …

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Patrick Februar 25, 2010 um 16:15
Steffen (netzleser) Februar 25, 2010 um 16:56

Hi Patrick,
ich hab den Link zum Video mal in den Beitrag genommen. Interessiert bestimmt noch mehr Leute. Danke!

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