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	<title>Netzleser &#187; lokalnews.de</title>
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	<description>Geschäftsmodelle im/ mit/ durch Journalismus im Netz</description>
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		<title>lokalnews.de: verlagsfinanzierter Lokalblog &#8211; Gründer Daniel Wildfeuer im Interview</title>
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		<pubDate>Tue, 17 May 2011 14:59:07 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Steffen Greschner</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Daniel Wildfeuer]]></category>
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		<description><![CDATA[lokalnews.de war vor einiger Zeit der Buhmann in der (Hyper)Lokalblog-Szene und wurde von einigen als Tarnkappenbomber gegen die freie Presse betittelt. Der Grund war ganz einfach: Die in Passau ansässige lokalnews GmbH ist eine Mehrheitsbeteiligung des Wochenblatt Verlages aus Landshut. An dem wiederum ist die Verlegerfamilie Diekmann, der Passauer Monopolist Verlagsgruppe Passau, beteiligt. Eine journalistische Unabhängigkeit ist [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p></p><p><a href="http://www.lokalnews.de"><img class="size-full wp-image-864 alignleft" title="lokalnews" src="http://www.netzleser.de/wordpress/wp-content/uploads/lokalnews.jpg" alt="" width="537" height="474" /></a></p>
<p><a href="http://www.lokalnews.de" target="_blank">lokalnews.de</a> war vor einiger Zeit der Buhmann in der (Hyper)Lokalblog-Szene und wurde von einigen als <a href="http://www.buergerblick.de/index.php?AID=0000026200" target="_blank">Tarnkappenbomber gegen die freie Presse</a> betittelt. Der Grund war ganz einfach: Die in Passau ansässige lokalnews GmbH ist eine Mehrheitsbeteiligung des <a href="http://www.wochenblatt.de/" target="_blank">Wochenblatt Verlages aus Landshut</a>. An dem wiederum ist die Verlegerfamilie Diekmann, der <a href="http://www.vgp.de/" target="_blank">Passauer Monopolist Verlagsgruppe Passau</a>, beteiligt. Eine journalistische Unabhängigkeit ist da für einige von vornherein ausgeschlossen. Unabhängig von Verquickungen und Verschwörungen ist lokalnews aber eines der am weitest entwickelten deutschen Lokalblogs, von dem man einiges lernen kann. Dazu werde ich in den nächsten Tagen einen gesonderten Artikel schreiben.</p>
<p>Ich habe dem 28-jährigen Gründer, Daniel Wildfeuer, einige Fragen zu lokalnews gestellt. Inzwischen sind in der Redaktion zwei Festangestellte Redakteurinnen und eine studentische Aushilfskraft angestellt. Daniel Wildfeuer hat vor lokalnews mit einem Partner <a href="http://www.bsmparty.de" target="_blank">www.bsmparty.de</a> aufgebaut. Mit rund 110.000 registrierten Mitgliedern eine der größten Online-Communities in Süd-Ost-Bayern. Er kommt also nicht aus dem Journalismus, sondern ist ein ganz klassischer Onliner.</p>
<blockquote><p><img class="size-medium wp-image-869 alignleft" title="Daniel_lokalnews" src="http://www.netzleser.de/wordpress/wp-content/uploads/Daniel_lokalnews-199x300.jpg" alt="Daniel Wildfeuer" width="83" height="126" /><strong>Hi Daniel, lokalnews.de gibt es inzwischen seit fast drei Monaten. Dass es sich bei lokalnews um ein (relativ gut getarntes) Tochterunternehmen der Verlagsgruppe Passau handelt, ist inzwischen bekannt. Kannst Du kurz erklären, um was für eine Art von Beteiligung/ Kooperation es sich dabei handelt?</strong><br />
Vorab möchte ich klarstellen, dass wir kein Tochterunternehmen der Verlagsgruppe Passau sind. An lokalnews.de ist der Wochenblatt Verlag aus Landshut beteiligt, neben der Verlagsgruppe Passau ist die Verlegerfamilie Diekmann auch am Wochenblatt Verlag beteiligt. Das ist die einzige Verbindung zwischen uns und der Verlagsgruppe.</p>
<p><strong>Wie kam es zu der Beteiligung. War das von Start weg so geplant?</strong><br />
Nein, im Zuge der Planungen für das Projekt wurde die Notwendigkeit einer Anschubfinanzierung immer deutlicher. Mein Ziel war ein umfangreiches lokales Nachrichtenangebot zu schaffen und da ich selbst redaktionell keine Erfahrungen habe, musste man mit hohen Personalkosten kalkulieren. Ich habe daraufhin Gespräche mit verschiedenen Verlagen geführt und bin schlußendlich beim Wochenblatt Verlag in Landshut gelandet. Diese fanden die Idee sehr spannend und konnten mir die inhaltliche Unabhängigkeit vertraglich zusichern.<br />
Die Brisanz dieser Beteiligung habe ich selbst jedoch total unterschätzt. Für mich war wichtig die Finanzierung gesichert zu haben und endlich nach monatelangen Planungen loslegen zu können. Es war nicht meine Absicht jemanden bewusst zu täuschen.  Ich möchte mit einem eigenen Produkt überzeugen und nicht ständig als Tochter/Produkt/Ableger eines Verlages angesehen werden. Daher ist die Beteiligung zwar öffentlich im Handelsregister einsehbar, aber ich nagle mir jetzt kein Schild auf die Stirn, dass der Wochenblatt Verlag an lokalnews.de beteiligt ist.<br />
Die Reaktionen unserer Leser zeigen, dass Ihnen die finanziellen Hintergründe schlichtweg egal sind, sie wollen guten Lokaljournalismus lesen und diesen wollen wir bieten.</p>
<p><strong>Jetzt haben wir das mit der Beteiligung und den Hintergründen also geklärt. Trotzdem drängt sich eine Frage förmlich auf: Kannst Du wirklich unabhängig berichten &#8211; ohne dass Dir jemand &#8220;von denen&#8221; reinredet?</strong><br />
Wir agieren komplett eigenständig. Wir haben ein eigenes Büro, eigene Mitarbeiter, nutzen eigene Informationspool und tauschen auch keine Inhalte aus.<br />
Wir können zu 100% unabhängig berichten. Ein aktuelles Beispiel: Bei der pnp.druck GmbH (die Drucktochter der Verlagsgruppe Passau) wurde letzte Woche gestreikt. Die Verlagsgruppe Passau (Passauer Neue Presse, Am Sonntag) als auch der Wochenblatt Verlag (Passauer Woche) hat darüber nicht berichtet. Das Lokalradio UnserRadio wurde offensichtlich sogar &#8220;zurückgepfiffen&#8221;. lokalnews.de hat sehr umfangreich darüber berichtet:<a href="http://www.lokalnews.de/passau/stadt-passau/wirtschaft/962.die-haerteste-tarifrunde-der-geschichte.html" target="_blank">http://www.lokalnews.de/passau/stadt-passau/wirtschaft/962.die-haerteste-tarifrunde-der-geschichte.html</a><br />
Diese Unabhängigkeit war mir extrem wichtig da ich ein unabhängiges und objektives Nachrichtenangebot schaffen wollte. Und nach drei Monaten kann ich sagen, dass uns das sehr gut gelungen ist.</p>
<p><strong>Bisher finde ich nur TKP-basierende Bannerwerbung auf der Seite. Damit ein ausreichendes Auskommen zu erzielen, dürfte im Lokalen unmöglich sein. In den Mediadaten werden nur zwei Werbeplätze angeboten. Zu recht moderaten Preisen. Wie hast Du vor lokalnews zu finanzieren?</strong><br />
Mit der Vermarktung der Plattform haben wir Anfang Mai begonnen. Seit rund einer Woche werden wir überregional von der OMS (<a href="http://www.oms.eu/" target="_blank">www.oms.eu</a>) vermarktet. Die aktive regionale Vermarktung läuft dann in den nächsten Wochen an. Wir werden hier die Werbeflächen noch einmal neu ausrichten, da der Wallpaper, Skyscraper und Rectangle in Zukunft nur überregional vermarktet wird.<br />
Ich bin jedoch überzeugt, dass man eine lokales Nachrichtenangebot im Jahr 2011 noch nicht komplett finanzieren kann. Das war auch ein Punkt wieso eine Anschubfinanzierung unablässig war. Aber hyperlokale Angebote werden in den nächsten Monaten immer mehr im Mainstream ankommen, die Nutzungszahlen werden steigen und somit auch die Umsätze.</p>
<p><strong>Wie siehst Du die Chancen neue Erlösmodelle zu finden. Bei der Tegernseer Stimme wird im Juni beispielsweise ein Internet-Workshop für Händler und Gastronomen angeboten. Einige Lokalblogs versuchen sich zur Zeit im klassischen Printbusiness oder verdienen Ihr Geld mit Beratungsleistungen. Testet Ihr bewusst neue Erlösquellen?</strong><br />
Wir sind aktuell in den Planungen für einen regionalen Anzeigenmarkt. Weiterhin planen wir für Anfang/Mitte Juni eine Printausgabe, jedoch nur zum Werbungszweck. Geld werden wir damit keines verdienen. Wir wollen nur unser Angebot bekannter machen.</p>
<p><strong>Mir drängte sich bei dem doch sehr professionellen Auftritt von lokalnews.de von Start weg der Eindruck auf, dass der ganze Aufwand nicht nur für eine Webseite betrieben wurde. Gibt es für lokalnews Expansionspläne?</strong><br />
Ich bin selbst Programmierer, daher wurde der Auftritt, die Schnittstellen und auch die Social Angebote komplett eigenständig umgesetzt. Im System ist die Möglichkeit einer Expansion bereits integriert, wir müssen nur einen Schalter umlegen und schon kann das System weitere Regionen bedienen. Wann und wie das jedoch der Fall ist, werden die nächsten Monate zeigen. Wir wollen erstmal für Passau eine ordentliche Leistung abliefern und dann unsere Reichweite schrittweise erhöhen.</p>
<p><strong>Das Thema Lokalblogs bekommt auch in Deutschland langsam aber sicher die Aufmerksamkeit, die es verdient. Bei lokalnews ist jetzt auch der erste Verlag als Investor mit aufgesprungen. Was denkst Du wohin die Reise geht? Werden Lokalblogs die neue Tageszeitung?</strong><br />
Das werden Sie nur, wenn Sie wirklich ein ernstzunehmendes und umfassendes Angebot schaffen. Viele Lokalblogs machen sehr guten Journalismus aber werden aktuell nur als Ergänzung zu den bestehenden lokalen Nachrichtenangeboten gesehen. Als Leser will ich nicht nur guten, kritischen Journalismus sondern auch beispielweise über Veranstaltungen, Polizeimeldungen und Verkehrswarnungen informiert werden. Und das tagesaktuell. In diese Richtung wird sich noch viel tun, auch bei den Verlagen bin ich gespannt wer sich noch auf solche &#8220;Experimente&#8221; einlässt. Ich hätte selber als ich mich auf der Suche nach einem Investor gemacht habe nie gedacht, dass ein Verlag sich auf dieses &#8220;Abenteuer&#8221; einlässt.</p></blockquote>
<p><strong>Lokalblog, lokale Onlineangebote, hyperlokale Nachrichtenseiten</strong> &#8211; egal welche Bezeichnung sich für das Thema in Zukunft durchsetzen wird. Ein Thema für Verleger wird es auf jeden Fall werden. Bei der Vermarktung und im Vertrieb sind die Schnittmengen offensichtlich. Und wenn Verlage clever sind, werden sie auch verstehen, dass ein &#8220;Reinpfuschen&#8221; in die journalistische Unabhängigkeit und die Art und Weise der Berichterstattung an der Stelle nichts bringt. Damit zerstört man den Grundpfeiler des Geschäftsmodells.</p>
<p>Als Investment, wie das bei lokalnews allem Anschein nach der Fall zu sein scheint, werden es aber bestimmt noch einige andere erkennen. Media Markt und Saturn gehören auch beide zu Metro. Und mit redcoon gibt&#8217;s das Ganze <a href="http://www.excitingcommerce.de/2011/03/media-saturn-redcoon.html" target="_blank">online nochmal in grün</a>.</p>
<p>Biete den Lesern was sie wollen &#8211; wo sie es wollen. Wenn investigativer Lokaljournalismus zum Geschäftsmodell gehört &#8211; um so besser.</p>
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