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	<title>Netzleser &#187; journalismus</title>
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	<description>Geschäftsmodelle im/ mit/ durch Journalismus im Netz</description>
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		<title>&#8220;Als Zeitungsverleger, wüsste ich, was zu tun ist – das verrate ich aber nicht. Ich bin ja nur Blogger&#8221;</title>
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		<pubDate>Wed, 10 Aug 2011 10:09:13 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Steffen Greschner</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Hardy Prothmann]]></category>
		<category><![CDATA[Interview]]></category>
		<category><![CDATA[journalismus]]></category>
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		<description><![CDATA[Hardy Prothmann ist Betreiber des Heddesheimblogs, Gründungsmitglied von netzwerk recherche und Mitglied des Frankfurter Presse-Clubs. Außerdem ist Hardy Prothmann einer der aktivsten (und direktesten) Kritiker der Verlagswelt und der klassischen Medien. In den letzten Tagen hat er mit einigen Artikeln zum Redakteursstreik viel Unruhe gestiftet &#8211; und großes Medienecho darauf bekommen. Hardy hat in erster Linie die [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p></p><div id="attachment_1092" class="wp-caption alignleft" style="width: 85px">
	<a href="http://www.netzleser.de/wordpress/wp-content/uploads/Prothmann2-224x3001.jpg.scaled5001.jpg"><img class="size-full wp-image-1092   " title="Prothmann2-224x300.jpg.scaled500" src="http://www.netzleser.de/wordpress/wp-content/uploads/Prothmann2-224x3001.jpg.scaled5001.jpg" alt="" width="85" height="113" /></a>
	<p class="wp-caption-text">Hardy Prothmann (pushthebutton.de)</p>
</div>
<p>Hardy Prothmann ist Betreiber des <a href="http://heddesheimblog.de/" target="_blank">Heddesheimblogs</a>, Gründungsmitglied von <a href="http://netzwerkrecherche.de/" target="_blank">netzwerk recherche</a> und Mitglied des <a href="http://frankfurter-presseclub.de/" target="_blank">Frankfurter Presse-Clubs</a>. Außerdem ist Hardy Prothmann einer der aktivsten (und direktesten) Kritiker der Verlagswelt und der klassischen Medien.</p>
<p>In den letzten Tagen hat er mit einigen Artikeln zum <a href="http://www.google.de/search?rlz=1C1AVSA_enDE431DE431&amp;aq=f&amp;sourceid=chrome&amp;ie=UTF-8&amp;q=hardy+prothmann#sclient=psy&amp;hl=de&amp;rlz=1C1AVSA_enDE431DE431&amp;tbm=nws&amp;source=hp&amp;q=redakteure+streik&amp;pbx=1&amp;oq=redakteure+streik&amp;aq=f&amp;aqi=&amp;aql=&amp;gs_sm=e&amp;gs_upl=17793l19842l7l20289l11l9l0l0l0l7l1043l6050l4-1.0.5.1l7l0&amp;bav=on.2,or.r_gc.r_pw.&amp;fp=5827fd71f6bc93b&amp;biw=1366&amp;bih=653" target="_blank">Redakteursstreik</a> viel Unruhe gestiftet &#8211; und <a href="http://meedia.de/print/streik-streit-der-frust-vieler-freier-ist-gross/2011/08/05.html" target="_blank">großes Medienecho</a> darauf bekommen. Hardy hat in erster Linie die Arbeitsbedingungen der Freien Journalisten beklagt und kritisiert. Ich habe Hardy einige Fragen zum Thema gestellt:</p>
<p><strong>netzleser (NL): Du steckst in Deinen persönlichen Arbeitskampf sehr viel Zeit und machst Dir nicht nur Freunde damit. Was motiviert Dich zum Robin Hood der Freien Journalisten zu werden?</strong></p>
<blockquote><p>Hardy Prothmann (HP): Ich bin nicht Journalist geworden, um mir Freunde zu machen. Die guten Freunde, die ich habe, reichen mir. Ich bin auch keine Robin Hood – wer genau hinschaut, stellt fest, dass ich in meinen Artikeln alle kritisiere: Verlagsmanager, Redakteure und freie Journalisten.</p></blockquote>
<p><strong>NL: Auf einigen Blogs wird Dir vorgeworfen, dass <a href="http://www.streim.de/2011/08/04/ich-bin-unsolidarisch-arrogant-unfaehig-und-ein-echter-arsch/" target="_blank">Du lediglich an Deiner Selbstvermarktung arbeitest</a>. Ist da etwas dran? Bzw. wie wirkt sich die momentane Aufmerksamkeit, die Du mit Dir als Person und mit Deinen Blogs bekommst auf die Zugriffszahlen aus?</strong></p>
<blockquote><p>HP: Der „Selbstvermarktungsvorwurf“ ist komplett absurd. Meine teils polemischen Kritiken führen eher nicht dazu, dass ständig das Telefon klingelt oder emails mit tollen Job-Angeboten reinkommen. Die Zugriffszahlen sind enorm, doch davon kann ich mir nichts kaufen.</p></blockquote>
<p><strong>NL: In einem <a href="http://www.pushthebutton.de/2011/08/03/zeitungsstreik-solidaritaet-wieso-weshalb-warum/" target="_blank">Beitrag auf pushthebutton</a> sprichst Du davon, dass Dir noch nie eine Zeitung mehr bezahlt hat als ausgemacht, um eine extra gute Arbeit zu würdigen. Ich höre da raus, dass es Dir viel mehr um Anerkennung als um das Finanzielle geht: Wie sehen für Dich die richtigen Arbeitsbedingungen für Freie Journalisten aus? Geht es nur ums Geld?</strong></p>
<blockquote><p>HP: Klar geht es um Geld. Mit Geld bezahlt man seine Miete und andere Sachen. Aber auch um Anerkennung und Respekt, wenn man sehr gut und sehr engagiert arbeitet. Und darum, immer das beste zu geben. Das gelingt nicht täglich. Aber ohne die entsprechende Haltung gelingt es nie.</p>
<p>Ich bin jetzt zwanzig Jahre im Job. Die ersten zehn Jahre waren klasse, weil ich am meisten von erfahrenen Kollegen gelernt habe, die ihr Können nicht als Herrschaftswissen betrachtet haben. Sie mich und andere teilhaben lassen. Aus einer Haltung heraus: Die besten Geschichten zu erzählen. Man hat gemeinsam an guten Geschichten gearbeitet.</p>
<p>In den folgenden Jahren hat der Job immer weniger Spaß gemacht, weil es kaum noch gute Redakteure gibt, die mit ihren freien Autoren arbeiten. Erfahrene Kollegen wurden durch Grünschnäbel ersetzt, die wenig Ahnung von Journalismus haben. Arbeits- und Honorarbedingungen wurden immer mieser. Das weiß jeder in der Branche.</p>
<p>Richtige Arbeitsbedingungen sind dann gegeben, wenn Freier und Redaktion zusammen  das beste Ergebnis erreichen wollen und das Honorar die Arbeit nicht nur „ehrt“, sondern bezahlt.</p></blockquote>
<p><strong>NL: Glaubst Du wirklich, dass Qualität im Journalismus mit dem Zufluss im Geldbeutel gleichzusetzen ist? Liefert ein gut bezahlter Journalist besseren Journalismus als ein schlecht bezahlter?</strong></p>
<blockquote><p>HP: Ein gut bezahlter Journalist hat zumindest die besseren Chancen. Er kann sich die notwendige Zeit nehmen, um den Job gut zu machen. Zeilenhonorare sind beispielsweise tödlich für guten Journalismus. Wenn ich für 100 Zeilen nur 100 Euro brutto erhalte und auf einen „vernünftigen“ Stundensatz kommen will, dann kann ich als hauptberuflicher Journalist höchstens drei Stunden Arbeit dafür kalkulieren. Vielleicht brauche ich aber fünf oder sechs Stunden – das hängt vom Thema ab. Dann muss der Artikel 200 Euro bringen – tut er aber nicht.</p>
<p>Investiere ich also trotzdem mehr Zeit, bin ich schlechter bezahlt – auch wenn ich den besseren Journalismus liefere. Auf Dauer zermürbt das, weil man immer Geldsorgen hat. Journalisten haben hauptberuflich oft mit Sorgen zu tun – wenn die größte Sorgen allerdings die der eigenen wirtschaftlichen Existenz ist, kann auf Dauer kein guter Journalismus dabei rauskommen. Außer, man hat ein sehr, sehr dickes Fell.</p></blockquote>
<p><strong>NL: Axel Springer hat jüngst im Geschäftsbericht eine EBITDA-Rendite von 22,7 Prozent  (128,5 Mio Euro) bei den nationalen Zeitungen ausgewiesen. Gleichzeitig will man Gehälter kürzen. Ist Journalist überhaupt ein Beruf, den man Festangestellt und als Glied in einer Produktionskette ausüben kann? Als Content-Produzent? Oder sollten Journalisten nicht eher &#8220;Überzeugungstäter&#8221; sein, die wie Künstler oft am Hungertuch nagen (oder hoffentlich auch nicht) aber aus Überzeugung im Dienste der Gesellschaft stehen?</strong></p>
<blockquote><p>HP: Der Axel-Springer-Verlag ist einer der erfolgreichsten Verlage. Geschäftlich gesehen sage ich: Respekt. Hauptumsatzträger ist die Bild, die erfolgreich die Formel TTT vermarktet: Tiere-Titten-Tote. Das ist zwar meistens eklig, das war der Circus Maximus aber auch. Bei ASV und Bild arbeiten Überzeugungstäter, die wissen, was sie tun. Sie wollen Geld verdienen. Egal wie. Dafür gibt es einen perfekten Produktionsapparat, in dem viele nur Inhalte-Produzenten für alle möglichen Körpersäfte-Themen sind. Die Bild beschämt jeden Tag die rund 330 deutschen Tageszeitungen. Denn der Bild gelingt es, die Themen zu setzen, über die die Menschen reden, selbst wenn sie Bild nicht lesen. Viele Geschichten sind überhaupt nicht „exklusiv“, aber sie werden exklusiv gemacht. Dafür gibt es die Profi-Schreiber. Würden die nach „Zeile“ bezahlt, wären die angesichts der kurzen Texte die ärmsten Schlucker Deutschlands. Tatsächlich sind sie die Top-Verdiener.</p>
<p>Im Lokalen ist alles exklusiv – nur wird es leider beliebig und lustlos gemacht. Ich werfe den Zeitungsverlagen vor, dass sie über Jahrzehnte hinweg den Markt kaputt gemacht haben. Sie haben nur Geld rausgezogen, aber kaum in das inhaltliche Produkt investiert.</p>
<p>Sie nehmen sich die billigsten Lohnschreiber, die man finden kann und verkaufen aus ihrer Monopolsituation oft nur Ramschjournalismus. Billiges Zeugs. Sie haben die Nähe zu Verwaltungsspitzen, Wirtschaft, Verbänden und allen mit „Rang und Namen“ gesucht und sind nun in diesem Geflecht vollständig verheddert.</p>
<p>Mit der Überzeugung, als vierte Gewalt andere zu kontrollieren, hat das bei vielen schon lange nichts mehr zu tun.</p>
<p>Vergiss den Vergleich mit den Künstlern. Essayisten haben vielleicht was „künstlerisches“, es ist aber keine „Kunst“, journalistische Texte zu schreiben. Auch kein Kunsthandwerk, sondern nur Handwerk. Journalismus ist eine Dienstleistung und jemand, der diese gut beherrscht, sollte auch entsprechend verdienen können.</p>
<p>Tatsächlich wird das immer schwieriger, weil gutes Handwerk von den Verlagen nicht eingekauft wird. Wer nur Bratwurst und Fritten anbieten will, der braucht keine Spitzenköche. Und wenn es keine exklusiven Restaurants mehr gibt, müssen sich die Köche halt nen anderen Job suchen. Als Kartoffelschäler beispielsweise.</p></blockquote>
<p><strong>NL: Gibt es überhaupt noch eine Berechtigung für fest angestellte &#8220;Verlagsjournalisten&#8221;? Wikipedia sieht im Verleger denjenigen, der &#8220;mit Druck- und Werbungskosten in Vorlage&#8221; geht &#8211; diese Vorleistung fällt durch das Internet weg. Sollten sich Journalisten nicht endlich aus der &#8220;technischen Sklaverei&#8221; der Druckerpressen befreien und ihren wirklichen, (online)selbstverlegten Überzeugungen nachgehen?</strong></p>
<blockquote><p>HP: Ich hole ein wenig aus: Der Begriff Verleger kommt vom Vorleger. Das war ein Kaufmann, der in Vorlage gehen musste, Güter ankaufte, Handelsreisen finanzierte. Sehr schön dokumentiert im Fortunatus. Hier wurden Bücher geführt, Handelslisten, Preise, Kosten, Währungen. Aus dem Handel ist mit dem Ausgang des Mittelalters das Bürgertum entstanden.</p>
<p>Der Buchdruck hat eine „Vervielfältigungstechnik“ ermöglicht. Und die Anfänge des Journalismus liegen in der Übertragung von Fakten: Zahlen, Namen, Kontakte. Erst viel später kam das „Feuilleton“ dazu &#8211; mit Theaterkritiken, Rezensionen, unterhaltenden, aber auch politischen Texten. Und es war ein Elitenmedium mit Top-Autoren wie Heine, Goethe, Klopstock, Gerstenberg oder Claudius.</p>
<p>Noch später erst gab es die Kaufzeitungen, noch später die Abonnement-Zeitungen. Daraus ist eine Industrie, eine Vermassung entstanden. Die Zeitung ist ja nur ein Produkt vieler Verlagshäuser, die alles mögliche drucken.</p>
<p>Zur Frage: Klar braucht man für die technische Produktion Arbeiter, die das Produkt herstellen. Früher brauchte man viele Drucker und Setzer, das machen heute wenige mit Hilfe von Computern. Und zum Content-Schupsen braucht es auch viel weniger „Redakteure“, wenn es nur um die rein technische Umsetzung geht.</p>
<p>Inhaltlich braucht man aber nach wie vor kluge Köpfe und kluge Konzepte, sonst verkauft sich das Produkt nicht. Die Verluste der Zeitungen beweisen das ja eindeutig.</p>
<p>Und ja – die Zeit ist reif für Journalisten, die selbst unternehmerisch arbeiten wollen. Die Produktionskosten sind historisch niedrig. Die Herausforderung ist, den Markt zu schaffen. Leider ist nicht vielen Journalisten das Unternehmertum gegeben. Das müssen sie lernen. Da schließe ich mich ein. Ich lerne täglich dazu.</p></blockquote>
<p><strong>NL: Der klassische Verlagsjournalismus wird als die 4. Gewalt bezeichnet. Blogs sind inzwischen auf dem Weg die 5. Gewalt, also die Kontrolle der Kontrolle zu werden. Funktioniert diese 5. Gewalt aber nicht nur, weil die Menschen dafür kein Geld bekommen und aus reiner Überzeugung handeln? Ist vielleicht der &#8220;Hobbyjournalist&#8221; sogar der bessere Journalist<br />
</strong></p>
<blockquote><p>HP: Einspruch. Die Zeitungen sind nur ein Teilsystem der Medien. Medien an sich sind keine vierte Gewalt – nur kritische, politische Medien, die auch diesen Anspruch haben. Und selbst die sind ohne die Menschen gar nichts. Was nützt eine Kritik, wenn die Menschen sie nicht bemerken wollen?</p>
<p>Das gilt auch für Internetportale, Blogs oder wie immer man das nennt.</p>
<p>Um eine kritische Haltung zu haben, muss man nicht arm oder mittellos sein. Ganz im Gegenteil ist finanzielle Unabhängigkeit eher geeignet, eine kritische Haltung einnehmen zu können.</p>
<p>Die Partizipationsmöglichkeiten der Menschen sind durch das Internet enorm gestiegen. Siehe den Fall Horst Köhler: Ein aufmerksamer Hörer von DeutschlandRadio machte die problematischen Äußerungen zur Verbindung von Krieg und Wirtschaftsinteressen publik, die Nachricht war in der Welt, der Spiegel hat sie aufgegriffen und Köhler war Geschichte. Ohne Internet wäre Köhler im Amt geblieben. Noch hat es eine „klassische“ Marke gebraucht, um „Relevanz“ herzustellen, aber auch das wird sich ändern.</p>
<p>Diese Aufmerksamkeit, die Überzeugung der Menschen, die Teilhabe am öffentlichen Geschehen, die Dokumentation von Ereignissen ist noch kein Journalismus – aber das wird den Journalismus enorm verändern.</p></blockquote>
<p><strong>NL: Was stimmt am System Zeitung aus deiner Sicht nicht?</strong></p>
<blockquote><p>HP: Zeitungen haben noch nie vollständig die Realität abgebildet – schon aus Formatgründen. Alles, was in der Welt passiert und wichtig ist, soll ja angeblich in der Zeitung stehen. Das ist Blödsinn. Zeitungsleser sind auch nicht „gebildeter“ als andere – das ist der allergrößte Blödsinn. Und seit es das Internet gibt, ist man durch die Zeitung auch nicht besser informiert. Man bekommt nur eine Auswahl an Informationen und die kann gut oder schlecht sein. Diese Informationen sind  niemals umfassend, sondern immer ein Kompromiss. Ein „beschränkter“ noch dazu.</p>
<p>Man erhält auch nicht „mehr“ Hintergründe als im Internet, sondern viel weniger.</p>
<p>Und wenn einer aus Mannheim kommt, einer aus Heidelberg und einer aus Neustadt an der Weinstraße, die zusammen bei einem Unternehmen in Walldorf arbeiten, können sich alle zusammen über die Katastrophe von Duisburg unterhalten, weil sie in verschiedenen Zeitungen dieselbe Agenturmeldung gelesen haben. Waren die drei aber im Internet und in ihren sozialen Netzwerken, kann jeder andere Aspekte und Informationen beisteuern: Gerüchte und Fakten, Bilder und Eindrücke, persönliche Nachrichten und verschiedene Kommentare.</p>
<p>Zeitungen definieren sich immer noch als Closed-Shop und werden deshalb bald auch die Rollläden runterlassen müssen wegen Geschäftsaufgabe, weil die Kunden ausbleiben.</p></blockquote>
<p><strong>NL: Was ist Deine ganz persönliche Vision für den Journalismus der Zukunft?</strong></p>
<blockquote><p>HP: Soviel steht fest: Die alten Theorie des „Gate-Keeping“ hatte ihre Gültigkeit, ist aber erledigt. Journalisten bestimmen nicht mehr wesentlich, welche Nachrichten in die Welt hinaus gehen.</p>
<p>Überall sammeln Menschen Informationen und stellen diese ins Netz. Als Tweet, als Post, als Video, als „Leak“. Und andere Menschen haben Zugang zu diesem ganz enormen Archiv.</p>
<p>Die klassische Rolle des Sammelns von Informationen, die Aufbereitung und Einordnung bleibt für Journalisten erhalten – allerdings unter neuen Bedingungen. Und eine ist: Diese Informationen sind nicht mehr „vorbehalten“.</p>
<p>Siehe die arabische Revolution, die keine „Facebook“-Revolution ist, sondern eine von Menschen, die sich aber über das Internet vereinigt haben. Der Journalist Richard Gutjahr ist spontan von Israel nach Ägypten gereist und hat von dort berichtet. Das war kein großer Wurf, aber es war ein Versuch und Gutjahrs Verdienst ist das Aufzeigen der neuen Möglichkeiten – die muss man professionalisieren.</p>
<p>Die Arbeit wird transparenter. Jeder, der sich einigermaßen im Netz zurechtfindet, kann innerhalb kürzester Zeit journalistische Informationen überprüfen – ob die Fakten stimmen, ob die Einordnung nachvollziehbar ist, ob etwas „hinzugedichtet“ oder ob etwas „verschwiegen“ worden ist.</p>
<p>Und es gibt weniger „systembedingte“ Exklusivität. Siehe Stuttgart21. Vor einigen Jahren noch musste man auf die Fernsehnachrichten warten, um gefilterte Bilder von vor Ort sehen zu können. Oder bis zum nächsten Tag auf die Zeitung. Heute kann man live bei fluegel.tv oder cam21.de dabei sein und das Netz enttarnt Lügen der Medien und der Regierungen mitunter sofort.</p>
<p>Die Stuttgarter Zeitungen haben vollständig versagt und die Debatte über das Projekt geht an ihnen vorbei – sie wird im Internet geführt. Und dort organisieren sich die Menschen fallbezogen.</p>
<p>Der Journalismus der Zukunft wird versuchen müssen, ein offenes Informationssystem anzubieten. Eine Art Verteilerknoten, bei dem die Menschen wissen: Wenn ich was erfahren will, steig ich hier ein und wenn ich mich verirre, kehre ich zurück und suche Orientierung. Einerseits muss man dafür sehr „objektiv“, also mit korrekten Fakten arbeiten, andererseits auch „subjektiv“, also Standpunkte anbieten.</p>
<p>Auch diese Arbeit kostet Geld und muss klug und kenntnisreich versehen werden.</p>
<p>Journalismus wird sich anpassen müssen, das ist auch gut so, weil er gerade im Zeitungswesen seit Jahrzehnten auf der Stelle tritt.</p>
<p>Eine Lösung auf die Frage nach der Finanzierung ist noch nicht ausreichend gefunden.</p>
<p>Entscheidend wird auch ein Umdenken in der Wirtschaft und bei der Werbeindustrie sein. Auch hier gab es ein „Gate-Keeping“ &#8211; Kampagnen werden immer noch im „großen Stil“ gefahren. Die Werbung folgt der Aufmerksamkeit und die geht weg vom monopolistischen Einheitsbrei. Sie wird sich in Zukunft fragmentieren – das heißt, der große Kuchen bleibt erhalten, wird aber in kleinere Einheiten zerteilt. Wenn diese Einheiten als Einnahmen ausreichen, wird es zu einer neuen Vielfalt von journalistischen Angeboten abseits der Verlagswelt kommen. Auch die Nutzer werden gerne zahlen, wenn sie davon überzeugt sind.</p>
<p>Wäre ich Zeitungsverleger, wüsste ich, was zu tun ist – das verrate ich aber nicht, denn ich bin ja nur ein Blogger.</p></blockquote>
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		<title>The New York Times: TimesLimited &#8211; ein alter Live Shopping-Hut</title>
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		<pubDate>Tue, 26 Apr 2011 12:24:32 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Steffen Greschner</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Erlösmodell]]></category>
		<category><![CDATA[Fankonzepte]]></category>
		<category><![CDATA[journalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Live Shopping]]></category>
		<category><![CDATA[New York Times]]></category>
		<category><![CDATA[Times Limited]]></category>
		<category><![CDATA[Verlag]]></category>

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		<description><![CDATA[Die New York Times hat ein eigentlich altes Ding aus dem Ärmel geschüttelt: TimesLimited &#8211; Live Shopping der alten Schule. Begrenzte Angebotsmengen für begrenzte Zeiträume. Die Angebotszeiträume sind zwar mit rund einer Woche deutlich zu lange, um den klassischen Live Shopping-Reiz der Verknappung auszulösen aber wahrscheinlich denkt man bei der New York Times nach dem [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p></p><p>Die New York Times hat ein eigentlich altes Ding aus dem Ärmel geschüttelt: <a title="TimesLimited - Liveshopping der alten Schule" href="http://timeslimited.nytimes.com/new-york">TimesLimited &#8211; Live Shopping der alten Schule</a>. Begrenzte Angebotsmengen für begrenzte Zeiträume. Die Angebotszeiträume sind zwar mit rund einer Woche deutlich zu lange, um den klassischen <a title="Johannes Altmann - Reiz der Verknappung" href="http://www.internetworld.de/Wissen/E-Shop-Tipps/Waren-begehrlich-machen-Die-Kunst-der-Verknappung-55033.html" target="_blank">Live Shopping-Reiz der Verknappung auszulösen</a> aber wahrscheinlich denkt man bei der New York Times nach dem bekannten Irrglauben: Mehr Umsatz durch längere Angebotszeiten.</p>
<p style="text-align: center;"><a href="http://timeslimited.nytimes.com/new-york"><img class="aligncenter size-medium wp-image-592" title="TimesLimited" src="http://www.netzleser.de/wordpress/wp-content/uploads/TimesLimited1-300x197.jpg" alt="" width="300" height="197" /></a></p>
<p>Viel mehr hat der Schritt zum Liveshopping-Konzept überrascht, weil gerade erst <a title="Meedia - NYT Paywall" href="http://meedia.de/details-topstory/article/new-york-times--paywall-schon-geknackt_100034000.html" target="_blank">die Paywall bei der NYT hochgezogen wurde</a>. Erst User aussperren und dann User getrieben Konzepte aufziehen ist seltsam. Vor allem, weil gegenüber den Werbekunden genau damit argumentiert wird:</p>
<blockquote><p>TimesLimited has powerful social elements that facilitate users spreading the word across social networks.</p></blockquote>
<p>Die &#8220;powerfull social elements&#8221; sind relativ gut versteckte Email-, Twitter- und Facebook-Buttons. Und auch der propagierte Benefit ist nicht mehr als ein schlichter Newsletter:</p>
<blockquote><p>TimesLimited is an email service that features exclusive Offers from select Merchants. TimesLimited is dedicated to bringing its subscribers access to unique products and experiences. Each Offer is only available for a limited time and in limited quantities. Subscribe today for dining, travel, lifestyle, entertainment Offers and more.</p></blockquote>
<p>Eintragen kann sich jeder und die Angebote laufen auch ganz normal auf der Homepage.</p>
<h3><span style="text-decoration: underline;"><strong>Spannendes am Rande: Fankonzepte</strong></span></h3>
<p>Das einzig wirklich spannende ist ein Angebot aus dem &#8220;<a title="New York Times KnowledgeNetwork" href="http://www.nytimesknownow.com/index.php/the-corner-office-lessons-from-top-ceo/">Times Knowledge Network</a>&#8220;: Dort werden Live-Webcast mit Times Journalisten zu verschiedenen Themen Angeboten. Die Preise sind zwar recht happig aber den Gedanken finde ich sehr reizvoll. Durch die Verbreitung im Internet ist die Zuschauerzahl nicht limitiert und für die NYT entstehen kaum zusätzliche Kosten.</p>
<p style="text-align: center;"><a href="http://timeslimited.nytimes.com/deal/1308/nytknowledgenetwork"><img class="aligncenter size-medium wp-image-593" title="NY_Knowledge_Offer" src="http://www.netzleser.de/wordpress/wp-content/uploads/NY_Knowledge_Offer-300x153.jpg" alt="" width="300" height="153" /></a></p>
<p>Weiter gedacht, ist das ein interessanter Ansatz, um z.B. Fankonzepte aufzuziehen. Exklusive Interviews, Insights, u.s.w. Immer nur exklusiv für die jeweilige Zeitung oder das jeweilige Verlagsnetzwerk. Registrierte User könnten live oder im Vorfeld Fragen einreichen und so das Interview selbst gestalten &#8211; einschließlich viel, viel Stolz, wenn die eigene Frage beantwortet wird. Das wird auch 100% im eigenen Netzwerk verbreitet &#8211; Social-News mal ganz anders.</p>
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		<title>Blinkenlichten mit eigenem Youtube-Kanal &#8211; Interessantes Format mit viel Info</title>
		<link>http://www.netzleser.de/2011/03/17/blinkenlichten-mit-eigenem-youtube-kanal-interessantes-format-mit-viel-info/</link>
		<comments>http://www.netzleser.de/2011/03/17/blinkenlichten-mit-eigenem-youtube-kanal-interessantes-format-mit-viel-info/#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 17 Mar 2011 21:59:51 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Steffen Greschner</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[journalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Video]]></category>
		<category><![CDATA[Youtube]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Blinkenlichten Produktionen GmbH &#38; Co. KG ist die Produktionsfirma von Mario Sixtus und Julius Enders. Den meisten wird wahrscheinlich vor allem der elektrische Reporter ein Begriff sein. Seit gestern gibt es unter BlinkenTV auch einen eigenen Youtube-Kanal. Unter den ersten Filmchen sind einige sehr interessante, von denen ich den hier gleich mal ausgesucht habe. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p></p><p>Die <a title="Blinkenlichten Produktionen GmbH" href="http://blinkenlichten.com/" target="_blank">Blinkenlichten Produktionen GmbH &amp; Co. KG</a> ist die Produktionsfirma von Mario Sixtus und Julius Enders. Den meisten wird wahrscheinlich vor allem der <a title="elektrischer Reporter" href="http://www.elektrischer-reporter.de/" target="_blank">elektrische Reporter</a> ein Begriff sein. Seit gestern gibt es unter <a title="BlinkenTV - Youtube-Kanal von Blinkenlichten Produktionen" href="http://www.youtube.com/user/BlinkenTV#p/u" target="_blank">BlinkenTV</a> auch einen eigenen Youtube-Kanal. Unter den ersten Filmchen sind einige sehr interessante, von denen ich den hier gleich mal ausgesucht habe.</p>
<p>Hier noch ein Zitat aus der Video-Beschreibung:</p>
<blockquote><p>Gillmors Kernthese lautet: In einer Welt, in der jeder, der will, publizieren kann, muss sich Journalismus vom Vortragsmodell lösen und zu einem Gespräch werden. Medienmacher müssen auf die Stimme ihres vormals stummen Publikums hören und sie in den journalistischen Prozess integrieren.</p></blockquote>
<p><object style="height: 350px; width: 550px;" width="550" height="350"><param name="movie" value="http://www.youtube.com/v/RKZ4rFmrKo8?version=3" /><param name="allowFullScreen" value="true" /><param name="allowScriptAccess" value="always" /><embed type="application/x-shockwave-flash" width="550" height="350" src="http://www.youtube.com/v/RKZ4rFmrKo8?version=3" allowscriptaccess="always" allowfullscreen="true"></embed></object></p>
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		<title>Stellenausschreibung: Gärtner im Internet</title>
		<link>http://www.netzleser.de/2010/01/18/122/</link>
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		<pubDate>Mon, 18 Jan 2010 17:11:02 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Steffen</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[alexander kluge]]></category>
		<category><![CDATA[dctp.tv]]></category>
		<category><![CDATA[gardener]]></category>
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		<category><![CDATA[journalismus]]></category>
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		<description><![CDATA[Ich habe im letzen Artikeln überlegt, warum das Internet eine tolle Sache für Journalisten sein kann. Wie ein Journalist das nutzen kann, soll diese Stellenausschreibung hier zeigen. Alexander Kluge hat mir auf seinem &#8220;Garten&#8221; dctp.tv diese Metapher geliefert. Er sagt: „Was wir brauchen, sind abgegrenzte Räume, in denen die Datenmassen gesammelt, sortiert und reduziert werden. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p></p><p><img class="alignnone" title="gaertner im netz" src="http://www.jonasginter.de/wp-content/gallery/cache/242__h=x_gardener.jpg" alt="" width="500" height="406" /></p>
<p>Ich habe im letzen Artikeln überlegt, warum das Internet eine tolle Sache für Journalisten sein kann. Wie ein Journalist das nutzen kann, soll diese Stellenausschreibung hier zeigen.</p>
<p><a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Alexander_Kluge" target="_blank">Alexander Kluge</a> hat mir auf seinem <a href="http://www.dctp.tv/#/meinungsmacher/auswege-aus-der-gegenwart" target="_blank">&#8220;Garten&#8221; dctp.tv </a>diese Metapher geliefert. Er sagt: „Was wir brauchen, sind abgegrenzte Räume, in denen die Datenmassen gesammelt, sortiert und reduziert werden. Gärten, Häfen, Gefäße, welche Metapher Sie wollen. Da das Bedürfnis nach Reduktion wächst, werden solche Gärten auch benutzt werden. Man muss sie nur bauen, diese Gärten im Netz.“ Das Interview kann man nicht nur sehen sondern auch lesen &#8211; <a href="http://www.freitag.de/kultur/0952-zukunft-netz-kluge-interview" target="_blank">im Freitag</a>.</p>
<p>Das dabei die Rolle der Journalisten als Gatekeeper nicht verloren gehen braucht, aber neu definiert werden muss, findet auch Ruth Blaes in <a href="http://www.amazon.de/Zukunft-Kommunikationsberufe-Ausbildung-Berufsfelder-Arbeitsweisen/dp/3896694324/ref=sr_1_1?ie=UTF8&amp;s=books&amp;qid=1263831059&amp;sr=8-1" target="_blank">einem ihrer Aufsätze</a>: „Journalisten als bloße Bediener und Erfüllungshilfen einer Maschinerie, die sich selbst ölt, werden ihren Auftrag verfehlen. Grundlagen und Hintergrund auf bestimmten Wissensgebieten werden mehr denn je notwendig sein. Es braucht Kundige, die Informationen, Wissenswertes aufbereiten können und fähig sind, sie sinnvoll und authentisch zusammenzustellen.“</p>
<p>Der unendlichen Fülle an Informationen Herr zu werden ist schlichtweg nicht möglich. Sich darin zurechtzufinden, Informationen relevant und interessant zu reduzieren ist aber die große Chance für Journalisten der Zukunft. Vertrauenswürdige Wegweiser mit eigener Meinung, die im Potential des Netzes und dessen Nutzern keine Bedrohung sondern Bereicherung und neue Möglichkeiten erkennen.</p>
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		<title>Journalismus im Internet muss neue Spielregeln verstehen</title>
		<link>http://www.netzleser.de/2010/01/18/journalismus-im-internet-muss-neue-spielregeln-verstehen/</link>
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		<pubDate>Mon, 18 Jan 2010 17:07:45 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Steffen</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[digital divide]]></category>
		<category><![CDATA[fachjournalismus]]></category>
		<category><![CDATA[internet]]></category>
		<category><![CDATA[journalismus]]></category>
		<category><![CDATA[lobo]]></category>
		<category><![CDATA[soziales system]]></category>
		<category><![CDATA[spielregeln]]></category>

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		<description><![CDATA[Das Internet ist ein menschlicher Kulturraum. Es verändert Kommunikation und Aufmerksamkeit und somit zweifellos unsere Gesellschaft. Ein zukunftsfähiger (Fach-)Journalismus ist nur möglich, wenn er diese Veränderung erkennt und darauf reagiert. Internet als soziales System Netzmensch Sascha Lobo sagte im SPIEGEL: „Ich halte die Auswirkungen auf die Gesellschaft und besonders auf die kommenden Generationen für so [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p></p><p><strong>Das Internet ist ein menschlicher Kulturraum. Es verändert Kommunikation und Aufmerksamkeit und somit zweifellos unsere Gesellschaft. Ein zukunftsfähiger (Fach-)Journalismus ist nur möglich, wenn er diese Veränderung erkennt und darauf reagiert</strong>.</p>
<p><strong>Internet als soziales System</strong><br />
Netzmensch <a href="http://www.saschalobo.com" target="_blank">Sascha Lobo</a> sagte im <a href="http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-68074002.html" target="_blank">SPIEGEL</a>: „Ich halte die Auswirkungen auf die Gesellschaft und besonders auf die kommenden Generationen für so revolutionär, als wären Buchdruck, Telefon und Fernseher gleichzeitig erfunden worden.“</p>
<p>Ich halte die Auswirkung auf die Gesellschaft sogar für so bedeutend, dass ich behaupte: Das Internet wurde, gerade durch die soziale Software des Web 2.0, ein soziales System.</p>
<p>In der Soziologie scheint mir diese Ansicht noch umstritten. Das Netz umfassend aus systemtheoretischer Sicht zu beschreiben ist eine Aufgabe, die es noch zu erfüllen gilt und die aufgrund der Schnelllebigkeit des Mediums schwierig sein dürfte.</p>
<p>Dem Soziologen <a href="http://www.unjekt.com/" target="_blank">Peter Fuchs</a> gelingt dies indem er den Prozess der Selbsterschaffung und -erhaltung eines Systems, also einen Schlüsselbegriff der Systemtheorie (zumindest der Luhmann‘schen) auf das Netz überträgt: „Wir haben es mit einem sozialen System zu tun, das mit eigenen Operationen (Kommunikationen) weitere Operationen produziert, die weitere Operationen   produzieren, und dies in autopoetischer Geschlossenheit [...]“.</p>
<p><strong>Digital Divide</strong><br />
Das Internet als soziales System zu begreifen, heißt auch seine Bedeutung für die gesamte Gesellschaft zu betrachten. Häufig kommt der Begriff einer digitalen Spaltung der Gesellschaft ins Spiel. In meinen Augen schafft diese Theorie Angst vor der neuen Technik Internet.</p>
<p>„Das Internet ist eine Einladung zur Kommunikation in einer neuen Dimension“, sagt der Psychologe Peter Kruse und meint: „Nicht teilzunehmen, ist daher nur noch ideologisch und kaum mehr praktisch begründbar.“ Die digitale Spaltung soll mit diesen Aussagen relativiert und damit ihrer in Relevanz für die Diskussion gemindert werden. Nachzulesen in einem wirklich <a href="http://www.sueddeutsche.de/computer/218/495543/text/">großartigen Interview </a>in der Süddeutschen Zeitung.</p>
<p><a href="http://www.jonasginter.de/wp-content/uploads/2010/01/spielregeln_traditionell.png"><img class="alignleft" title="spielregeln_traditionell" src="http://www.jonasginter.de/wp-content/uploads/2010/01/spielregeln_traditionell-233x300.png" alt="" width="233" height="300" /></a><strong>Neue Spielregeln &#8211;  Relevanz vs. Interessanz</strong><br />
Ein neues System mit neuen Möglichkeiten und Herausforderungen benötigt neue Spielregeln &#8211; diese zu verstehen und zu nutzen ist die zentrale Aufgabe des Journalismus der Zukunft.</p>
<p>Waren Informationen vor einigen Jahren noch Ware und oftmals Monopolgut von Print- und Hörfunkmedien, ist ihr Wert im Internet dramatisch gesunken. Nie zuvor war es einfacher und kostengünstiger möglich, so schnell, Zugang zu so vielen Informationen zu bekommen. Und das für wortwörtlich jeden.</p>
<p>Aufgabe klassischer Medien war es, im Informationsdschungel, zu dem sie oftmals exklusiven Zugang hatten, relevante Ereignisse zu finden und diese als Nachrichten zu veröffentlichen. Die Journalisten statuierten in ihrer Rolle als „Gatekeeper“ ein Relevanzdiktat, das im Internet nicht mehr funktionieren kann.</p>
<p><a href="http://www.jonasginter.de/wp-content/uploads/2010/01/spielregel_netz.png"><img class="alignright" title="spielregel_netz" src="http://www.jonasginter.de/wp-content/uploads/2010/01/spielregel_netz-268x300.png" alt="" width="268" height="300" /></a></p>
<p>Denn im Internet bekommt Relevanz einen großen Konkurrenten: Die Interessantheit oder Interessanz wie es  Sascha Lobo bezeichnet. Er meint, im schon genannten <a href="http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-68074002.html" target="_blank">SPIEGEL</a><a href="http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-68074002.html" target="_blank">-Artikel</a>: „Im virtuellen Raum des Netzes herrschen andere Regeln als in der traditionellen Medienlandschaft. Eben noch wählte eine Redaktion aus, was ihr wichtig erschien; jetzt wird im Internet hochgespült, was ausreichend viele Menschen für interessant halten.“</p>
<p>Ich glaube: Das Netz ist eine große Chance, gerade für den Fachjournalismus!</p>
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